IALDalpine Tour zum Bernapark

Ab und zu zeigt uns jemand aus dem IALD alpine Chapter seine Projekte – diesmal ging es in den Bernapark.

«Als ich die Medienmitteilung über die Schliessung gelesen hatte, wusste ich, dass ich hier etwas tun musste. Ich entschloss mich, die Kartonfabrik zu übernehmen – mit der Auflage, kein Karton mehr zu produzieren – und freiwillig alle 253 Mitarbeitenden wieder einzustellen, um mit ihnen aus diesen Trümmern eine Zukunft zu bauen.»

So wird Hans-Ulrich Müller, Eigentümer und Visionär des Bernaparks, auf der Homepage zitiert. Und so nimmt die Zukunft langsam Form an.

Christian Burtolf von Lucet, einem Lichtplanungsbüro aus Bern, der von Anfang an dabei ist beim Bernapark, gab uns eine wunderbare Führung durchs Areal und seine bisherigen Teilprojekte. Zusammen mit dem Architekten Richard Moser von Aebi & Vincent Architekten erfuhren wir spannende Details und Anekdoten zum Projekt.

Auf unserem Weg durchs Areal hatten wir sogar das Vergnügen, Hans-Ulrich Müller höchstpersönlich zu sehen, der ebenfalls mit einer Führung unterwegs war. Das zeigt, dass ein Konzept wie dieses hier Anklang findet.

Neben Wohnraum – in Bestandsbauten und Neubauten – werden hier auch Sport, Ausbildung, Kultur und Gastronomie als Ganzes gedacht und gelebt.

Wir sahen als Beispiele die Berner Schule für Gestaltung, die temporär hier angesiedelt ist (man munkelt, sie mögen gar nicht mehr ausziehen), denn die Kreativschmiede passt perfekt in die alten Fabrikgebäude. Dazu gehören die Bibliothek auf dem oberen Niveau der grossen Halle, die ebenfalls ein Museum und ein Café beherbergt, die Schulzimmer, die eher wie Ateliers wirken als wie klassische Klassenzimmer, und die vielen Spezialräume mit Siebdruckmaschinen, Photolabors, Druckerei, Goldschmiedewerkstatt und mehr.

Doch auch das Fitnessstudio mit den neuen Klinkersteinwänden wirkte wie aus einem Guss. Alles ist verbunden mit dem Aussenraum, der sich anfühlt wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und die Zukunft zugleich. Einerseits spürt man die Geschichte der Gebäude an jeder Ecke – nicht nur wegen des blauen Lichts, das die Wasserkraft symbolisiert, die einst alles antrieb, sondern auch durch die clevere Verbindung von alter Substanz mit neuen Elementen. So sind die neuen Teile einfach logische Schlussfolgerungen, wie etwa die riesige Stahlwendeltreppe im ehemaligen Silohaus.

Es fühlt sich richtig an, diese Verbindung in die Zukunft. Genau so sollte Entwicklung stattfinden: nicht nur, um Geschichte zu wahren und Charakter zu erhalten, sondern auch, um Ressourcen zu schonen. Das Ergebnis kann so viel besser sein als der heutige Abriss und seelenlose Neubauten.


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